Ein Anfang

Es ist ca. Mitte Oktober und seit kurzer Zeit bin ich mit fast 33ig wieder Praktikant. Soll ich das hier wirklich schreiben? Schadet das nicht meiner Glaubwürdigkeit, welchen Einfluss hat das auf die Art, wie mich Leute sehen? Werde ich mit der Bezeichnung Praktikant überhaupt noch ernst genommen?

Das könnten Fragen oder Gedanken sein, die ich mir noch vor einigen Jahren gestellt hätte und auch Fragen, die ich mir in anderen Konstellationen noch heute stellen könnte. So eine Bezeichnung ist aber genau gleich wie CEO, Verwaltungsratspräsident, Schüler, Stellensuchender, Reisender, … . Es ist eine Bezeichnung, die versucht, etwas zu beschreiben und eine Position zu definieren, die zum einen nur einen Ausschnitt aus dem Leben eines Menschen betitelt (auch wenn wir uns oft mit solchen Bezeichnungen identifizieren) und zum anderen im Inhalt und der Art uns Weise, wie sie gelebt werden, sehr unterschiedlich sind.

Ich habe mir vorgenommen, meinen Weg hier möglichst transparent und ehrlich zu beschreiben und das ohne allzu grosse Distanz zu Ereignissen und Erlebnissen. Es darf auch ein Beispiel werden, wie man seinen ganz persönlichen inneren Lernprozess beschreiben kann. Eine Art Lerntagebuch.

Ich bin also neben meinen Rollen als Ehemann, Podcaster, Selbstständiger, im Stundenlohn angestellter, Freund, Sohn und einigem mehr also auch wieder Praktikant und dort am vielleicht offensichtlichsten als Lernender unterwegs. Das bin ich zwar überall, aber diese Rolle scheint dem im Verständnis am ehesten gerecht zu werden.

Wir sind so vieles und definieren uns oft einfach über eine Bezeichnung (oder lassen und definieren). Vielleicht lohnt es sich, hier die eigene Sicht- und Denkweise einmal freundlich zu prüfen

Was lerne ich aber denn nun oder was habe ich gelernt? In diesen sehr knapp zwei ersten Wochen (die mir wirklich länger vorkommen) kann ich keine ganz konkreten Lernerlebnisse benennen und doch ist vieles passiert. Was übrigens auch ganz normal ist, denn oft wird das erst später klar. Ich würde sagen, dass in dieser ersten Zeit der gemeinsame Lernprozess einen grossen Teil einnimmt. Wie arbeiten wir zusammen? Was sind die gemeinsamen Themen? Was sind meine Rollen? Wo sind Lernfelder und was sind einfach Arbeiten, die erledigt werden “müssen”.

Ich bin gespannt auf den weiteren Weg.

«Die Aufgabe wechselt nicht nur von Mensch zu Mensch – entsprechend der Einzigartigkeit jeder Person – sondern auch von Stunde zu Stunde, gemäss der Einmaligkeit jeder Situation.»

Viktor E. Frankl


Foto: Ben Zaugg, aufgenommen in Dänemark