Lichtblicke

Es ist kalt, 9 Uhr 26, ich bin gerade mit dem Zug am Bahnhof Bern angekommen und denke noch über den Wunsch der Zugbegleiterin nach, die uns «einen sorgenfreien Tag wünscht». Ich schaue in Richtung Insel und habe wie aus dem Nichts Gefühle. Positive, neugierige, denke an das lebendige, das emsige Treiben wie im Bienenstock. In dem Moment höre ich die Geräusche eines Helikopters, AgustaWestland Da Vinci, Rega 10 hebt ab und fliegt, so vermute ich, nach Wilderswilund vielleicht bleibt etwas Zeit für einen Kaffee.

Ja, mir gehts immer noch solala und ich mache mir Gedanken darüber, was mein vorletzter Beitrag ausgelöst hat. Seither habe ich, um nicht untätig zu sein, um ein Gefühl von Kontrolle (wir wissen, die gibts gar nicht) zu haben u. a. einige Bewerbungen geschrieben und Absagen kassiert. Bei einer habe ich noch Hoffnung, es geht um Spital, um Podcast, um Texte, um Netzwerken und wahrscheinlich hat dieses Inserat etwas ausgelöst.

Dieser Moment auf der Rolltreppe, dieser klare Tag mit herrlicher Sicht auf die Berner Alpen, diese Gedanken und wie als letzter Schubser, der abhebende Helikopter lösen einige Gedanken sowie eine Ideenlawine aus, die sich bis zum Abend nicht aufhalten lässt. Innerhalb von 30 Minuten stand ein neues Podcast-Grundgerüst und ein Name. Bis am Mittag war die Landingpage online, einige Gesprächsanfragen draussen, aus denen Zusagen resultierten.

Es wird Einblicke in eine Welt geben, die wenig mit Grey’s Anatomie, mit Emergency Room etc. zu tun hat. Denn ich erinnere mich noch an meine kurze Zeit, als nennen wir es einmal Praktikant auf dem Notfall in einem Spital. Ich erinnere mich, wie direkt neben mir um das Leben von Menschen «gekämpft» wurde, wie ich mich gleichzeitig nur durch eine Scheibe getrennt um Krankenkassendaten von anderen Notfallpatient*innen kümmerte. Ich erinnere mich auch, wie absurd mir das vorkam. Es ist aber Realität. Es ist Alltag.

Obwohl die Spitalwelt für mich zu dem Zeitpunkt nicht neues war, hinterliess auch diese Ruhe einen bleibenden Eindruck. Da wird er gebracht, der Patient unter Reanimation und es kommen Menschen aus allen Ecken, versammeln sich, kleben grosse farbige Kleber mit Aufschrift «Pflege», «Arzt» etc. auf ihre weissen Kleider und warten. Warten bis der Rettungsdienst mit dem Patienten eintrifft. Sie kommen. Kein Rennen und keine Hektik. Notarzt und Rettungssanitäter stehen dem Notfallteam gegenüber, der Notarzt spricht, alle anderen hören zu. Lucas arbeitet weiter, drückt den Thorax zusammen und löst wieder, drückt zusammen und löst wieder. Der Patient wird in den Schockraum gebracht und die Arbeit geht weiter.

Im Podcast 24 Stunden werde ich mit Menschen über ihre Arbeit sprechen, bei der es zwar Feierabend gibt, die Arbeit aber trotzdem weitergeht. Beginnen werde ich mit dem Gesundheitswesen und schaue wo mich diese Reise hinführt. Es wird nicht spektakulär und nicht reisserisch. Dafür echt und aus dem Leben.


Bild: Pixabay